Monatsarchiv: September 2012

„Moving the nation“ – robber bombs und Oba Yaa

Die Fahrt nach Accra verlief ein bißchen anders als erwartet. Lisa Ha und ich sind morgens um 8 Uhr hier los und waren nach einigen Trotro-Umsteigereien – das sind hier so Art Linienbusse meist aus alten Transportern aus Europa – an der MMT-Station. Für längere Strecken gibt es ein eigenes Bussystem, wie schon mal beschrieben, sind das richtige Omibusse, und es gibt sie in Privater Hand, diese sind komfortabler und wie ich jetzt nach Accra weiß, auch schneller und es gibt das staatliche Busunternehmen MMT – Metro Mass Transit. Mit dem Motto „MOVING THE NATION“. Hier sind wir gegen 9:30 Uhr. Der Bus startet, wenn er voll ist, das weiß man, eigentlich auch eine sehr unweltschonende Sache, allerdings kann das bei 65 Sitzen schon so eine ganze Weile dauern – in unserem Fall ca. 2,5 Stunden. But remeber!! „There is no hurry in life!!“ Die letzten Sitze sind immernoch nicht besetzt, allerdings beschwert sich irgendwann eine Frau lauthals beim Driver und einige stimmen mit ein, so dass sich schließlich der Fahrer überreden läßt und siehe da, während er das Busgelände verlassen will, finden sich auch für die letzten drei Plätze noch Mitfahrer. Bis wir aus der Stadt raus sind, ist es ca. 12:30 Uhr und die Fahrt dauert zwischen 4 und 6 Stunden.

Die Strecke zwischen Kumasi und Accra ist die meistbefahrene hier in Ghana. Sie ist zudem zum Großteil gut ausgebaut. Erst gegen Ende, sagen wir die letzten Hundert km vor Accra entwickelt sich die meist geteerte Straße in eine hubbelige staubige Sandpiste. Viele der Fahrgäste halten sich Taschentücher vor den Mund und die Nase. Alles läuft wie am Schnürchen, bis wir vor uns auf der Straße eine Explosion sehen. Im ersten Moment völlig verunsichert, frag ich den Jungen neben wir, was denn da jetzt los sei, er antwortet mir „this are armed robber bombs“. Ich mir meinem Englisch und seiner Ausprache nicht ganz sicher, denke im ersten Augenblick natürlich an bewaffnete Räuber und im zweiten an das wirtschaftlich und politisch ach so stabile Ghana und bin etwas verwirrt. Auch dem zufolge, wie gelassen sich der Rest der Fahrgäste verhält, zweifle ich an meinem Verständins und frage einen zweiten Fahrgast. Er erklärt mir nun, dass die vermeindlichen robber bombs verwendet werden, um die Blocks, also das Gestein zu zerbomben und damit zu zerkleinern, um es zu pulverisiieren und anschließend für den Straßenbau zu verwenden. PUUhh – also keine Räuber. Damit werden aus den rObber bombs – rUbber bombs und später erfahre ich warum sie so genannt werden. Rubber – eigentlich Gummi wird hier für alles mögliche was aus Plastik hergestellt wird verwendet. Und da das Dynamit für diese Bomben in Plastibehälter gegeben wird, heißen diese RUBBER BOMBS – so einfach kann es sein. Es gibt eben auch rubber bowl – Platikschüssel, rubber bucket – Plastikeimer oder only rubber, damit sind dann die Plastiktüten gemeint, die hier bei jedem gekaufen Artikel, und sei es Essen, z.B. Reis and Stew, gratis mitgegeben werden.

Zurück zur Fahrt. Nachdem die Straße freigeräumt wurde, sich mittlerweile ein kleiner Stau gebildet hat, geht die Fahrt weiter. Meine Bitte an wen auch immer ist jetzt nur, dass wir noch vor der Dämmerung in Accra im richtigen Trotro Richtung Teshie sitzen.

Meine Bitte wird auch erhört – allerdings steigen Lisa und ich nicht ins richtige Trotro. Anstelle am Labadi Beach befinden wir und in Labadi Mami – ich denke der Stadt zum dazugehörigen Strand. sodass wir später – mittlerweile ist es dunkel – doch ein Dropping-Taxi nehmen, dass uns zum verabredeten Platz bringt, wo wir von einem Freund unserer Guesthouse-Besitzerin abgeholt und endlich heimgefahren werden. Die Tore vom African-Swiss-Guesthouse in Teshie-Rasta öffnen sich für uns gegen 20 Uhr. Wir sind da, Oba Yaa – Frau Yaa – heißt uns willkommen und stärkt LIsa mit Spaghetti und Tomatensoße und ich bekomme anstelle den Nudeln gekochte Yam. Jetzt sind wir selig und froh angekommen zu sein und legen uns alsbald in das saubere Bett mit wunderbar wohltuenden Matratzen. Challenge geschafft!!

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Einmal GREATER ACCRA bitte….

Einmal Accra und Teshie bitte…einmal wieder dahin, wo ich herkomm. Einmal wieder da hin, wo ich letztes Jahr meinen ersten Ghanaaufenthalt hatte, der mich schließlich wieder nach Ghana gebracht hat.

Dahin wo ich mich vielleicht und sicherlich etwas besser als in Kumasi auskenne, wo ich Leute treffe, die ich kenne, die mich und meinen Namen kennen und denen ich einfach Vertrauen entgegenbringen kann und möchte, weil sie ein bißchen wie Familie sind – oder Freunde. Weil sie mich letztes Jahr herzlichst in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben, der ein oder andere mir viel über die Kultur erzählt hat, mir gezeigt hat, wie man hier kocht und „miteinander ißt“. Wo ich zwar sicherlich immernoch die Weiße bin, wo mir aber nicht das Gefühl gegeben wird ein Strager zu sein, sondern invited.

Nachdem hier in Ghana die Familie eine präsentere Rolle spielt als bei uns in Deutschland….z.B. Ist es üblich, dass die verscheidensten Familienmitglieder in unterschiedlichster Konstellation zusammen leben – nicht unbedingt freiwillig, sondern weils dort Arbeit gibt, oder die Schule, die besucht werden soll, dort liegt, oder weil ein Kind geboren wird und deshalb ein Cousin zu einem ander Onkel ziehen muss. So ist es auch üblich, dass Kinder nicht unbedingt bei ihren Eltern aufwachsen, sondern vielleicht bei der Tante oder bei der Großmutter.

Ich wollte also das Haus, in dem ich letztes Jahr gewohnt habe und seine Mitbewohner besuchen, es liegt in Teshie Tebibiano. Damals lebte dort der Cousin des Hausbesitzers und eine Famile, bestehend aus einer Mutter mit ihren beiden Kindern und einem Hausmädchen. Da die Mutter nun in einem anderen Stadtteil von Teshie einen Laden eröffnet hat, von dem aus es zu weit wäre jeden Abend nach Hause zu kommen, wohnt sie nun mit ihren Kindern und dem Hausmädchen in der Nähe des Ladens und ist nur ab und zu im Haus. Anstelle dessen wohnt nun ein anderer Cousin und die Schwester der Mutter in diesem Haus. – Neues Jahr, neue Mitbewohner. Trotzdem wird zu jeder Zeit davon gesprochen, das die ursprünglichen Mieter immernoch drin wohnen, lustig, aber manchmal verwirrend. Vielleicht sind sie es, die die Miete bezahlen, oder diejenigen Familienmitglieder, die anfangs hier gewohnt haben und nach und nach andere ihres Clans zwar hier schlafen und leben– aber nicht als Bewohner gesehen werden, wer weiß das schon so genau. Vielleicht ist die ursprüngliche Mieterin die älteste und ist und bleibt damit das Oberhaupt und der Mieter 😉

Greater Accra nennt sich eine der zehn Regionen hier in Ghana. Es sind so zu sagen Regierungsbezirke – oder eher Verwaltungseinheiten Wie auch immer. Greater Accra umschließt die Hauptstadt ACCRA und die westliche Küste kurz bevor der Volta Lake ins Meer fließt ;).

Neben Teshie, wollte ich in Accra die factory der TRASHY-BAGS besichtigen. Sie verwertet unter anderem die hier üblichen sachet water/pure water rubbers. Hier wird das Trinkwasser in 500ml Plastikbeuteln verkauft, welche nach dem Leeren meist auf der Straße landen. Genauso wird mit dem Eis und dem Youghurt verfahren, die ebenfalls in farbenfrohem Plastik verpackt sind. Dass Ghana ein Müllproblem hat, ist sicher bekannt, und diese Firma geht einen eigenen Weg, dieses Problem kreativ zu lösen.

Im Nordosten von Accra liegt die TK-Beads-factory, die die hier populären Glasperlen herstellt. Auch eine Art Müllverwertung, da diese Beads aus Altglas hergestellt werden. Alles alles alles ist reine Handarbeit!!

Neben der Besichtigung der factory und dem Verfolgen der einzelnen Arbeitsschritte, hat jede Firma natürlich auch ihren eigenen Showroom, wo man sich dann mit dem Material eindecken kann. Vor allem in der Beads-factory kam der Kaufrausch über mich, vor lauter Farben und Formen gings soweit, dass Lisa und ich nur noch mit den letzten Cedis gerade so nach Hause gekommen sind. Jetzt kann ich meine eigenen Armbänder kreieren…HURRA…

Hiermit danke an AFRICA-RECYCLED, von wo ich die einzelnen factories entnommen habe.

Was gabs sonst noch??

am Labadi Beachchillen am strandStrand, Sonne, Sonnenbrand,

abends die Windbrise vom Meer her, deshalb auch eine kleine Erkältung

 

Peter Tosh Nights im „Rolling Stone“, Reggae-Nights mit „Princess Labadi Beach“

3 eier täglich!!täglich drei Eier als Gemüseomlette zum Frühstück bei Oba Yaa, genauso wie vier Hunde und acht Junge (1 männlich und 7 weiblich)

Biergartenfeeling und endlich Rauchen!!

n Ghana ist das Rauchen in der Öffentlichkeit unüblich. Wir haben erst nach vier Tagen den ersten Menschen überhaupt hier rauchen sehen. Es war ein etwas verwegen wirkender alter Herr. Ich bin von uns Mädels die einzige Raucherin, die nicht unbedingt vorhatte hier aufzuhören. Bisher habe ich nur abends in der Dunkelheit auf dem Weg hinterm Campus hin und her laufend eine Zigarette geraucht und mich dabei genauso verwegen gefühlt wie dieser ältere Herr. Das hat nun ein Ende, denn auf dem Weg nach Tanaso, wo die örtliche University of Education steht und damit mein Internetcafé, befindet sich ein sog. „Spot“. So nennen sich hier die Kneipen. Dieser Spot erinnert mich stark an einen Biergarten, denn seine Plastiktische und -stühle finden sich von Bäumen überdacht – eben wie bei uns die Kastanienbäume – auf diesem Wege ein Gruß an die Kervansaray.

Der Spot wird von einer Frau betrieben, die ihr Baby auf ihrem Rücken gebunden trägt, während sie uns die verschiedensten Sorten Gin anbietet. Gin ist in Ghana wohl sehr beliebt – zumindest bei den Christen, denn die Moslems, die ich bisher als solche kennengelernt habe verweigern den Alkohol. Sie hingegen kauen als Stimuli Tigernuts. Uns eher bekannt als Colanüsse – mit einer anregenden, den Hunger stillenden Wirkung – auf TWI „Atadwe“ genannt. Geschmack und Konsistenz erinnern mich stark an Kokosnuß.

Jedenfalls ist in diesem Spot das Rauchen erlaubt – ganz ohne Verwegenheitsgefühl – fehlt nur noch eine Bezugsquelle, denn bisher rauche ich im Zimmer gefundene übriggebliebene Zigaretten – Danke an Unbekannt.

Sich Platz geschaffen und eingelebt

Mittlerweile haben wir alle unsere Zimmer gründlich geputzt und entrümpelt. Schränke ausgeräumt, alte abgelaufene Medikamente von unseren Vorgängern entfernt und vieles Nützliches gefunden, wie z. B. Einmalhandschuhe,„Westafrikanisch Kochen“ von Cobbinah, der den Ghana-Führer im Peter Meyer Verlag veröffentlicht hat, oder z.B. PU SChaum ;), mit dem ich versucht habe das Leck unseres Klos zu versiegeln (Es ist mir im Übrigen misslungen.)

Ich teile mir mein Zimmer mit Lisa Pfeffer. Es ist ca.30 qm groß, hat zwei einzelne Betten, einen funktionierenden Kühlschrank und sogar eine Couchgarnitur, die vor ca. 7 Jahren von SChülern der Vocational School hergestellt wurden. Das habe ich aus einem Reisebericht erfahren, den ich beim Ausräumen unseres Schranks gefunden habe. Eine Volunteerin, die im Herbst 2005 für 3 Monate hier war, hat ihre Berichte ausgedruckt und samt Bildern hier gelassen-eine gute Idee.

Seit dem hat sich wohl einiges verändert, was die Schule und die Organisation derselben angeht. Vieles beschreibt sie aber auch genau so, wie wir es hier erleben. Das ständige Angestarrt-werden, die ständigen Obruni-Rufe, die uns als Weiße begrüßen oder belächeln sollen – oder kopfschüttelnd uns bemittleiden.

Wir haben einen neuen Duschvorhang erworben, da unserer am abschimmeln war. Erstaunlicherweise hatte dieser neue, noch verpackte Duschvorhang bereits Risse und Löcher und dort, wo eigentlich die Löcher für die Aufhängungen sein sollten, waren keine zu finden. Das Material ist dermaßen miserabel – das hat mich an meine Kaffeetasse erinnert, die ich ein paar Tage vorher gekauft hatte. Eine Plastiktasse, die so schlecht verarbeitet ist, dass man Obacht geben muss, sich beim Trinken nicht zu verletzt. Was hier zu kriegen ist, scheint von noch schlechter Qualität zu sein, als wir es in Deutschland von Billigprodukten gewohnt sind.